A nike Oleski, Inhaberin der MediosApotheke Berlin, hat sich vor fast zwei Jahr- zehnten für genau das entschieden – mutig sein. Sie hat aus klassischen Apotheken Orte gemacht, an denen Beratung, Prävention und Ver- antwortung zusammen gedacht wer- den. Was Mitte der 1990er-Jahre als kleine Kiez-Apotheke begann, hat sie seit ihrem Einstieg 2005 maßgeblich weiterentwickelt: Heute ist daraus ein Netzwerk aus vier hoch spezia- lisierten Standorten mit rund 200 Mitarbeitenden geworden – getragen von einer klaren Haltung: Apotheke ist weit mehr als die Ausgabe von Medikamenten. Wie Prävention, neue Technologien und spezialisierte Teams heute schon gelebt werden können und wo die politischen Grenzen liegen, darü- ber spricht Anike Oleski im Interview. Frau Oleski, Ihre Apotheken gelten als besonders zukunftsorientiert. Wann begann dieser Weg? Anike Oleski: Eigentlich sehr früh. Schon als ich nach der Uni nach Berlin kam, hat mich fasziniert, dass in der damaligen Berlin Apotheke nicht nur Produkte, sondern vor allem Menschen im Mittelpunkt stan- den. Mitarbeitende wurden sichtbar gemacht, Expertise wertgeschätzt. Dieses Denken hat mich wirklich sehr geprägt und für damalige Zeiten beeindruckt. Sie leben ein Führungsverständ- nis, das heute oft als „modern“ beschrieben wird – Augenhöhe, Delegation, Fehlerkultur. War das eine bewusste strategische Ent- scheidung? Für mich war das nie ein Trend, sondern Notwendigkeit. Spätestens mit meinen Kindern wurde mir klar: Ich kann und will nicht alles selbst machen, denn ich möchte auch bewusst Mutter sein. Also habe ich Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Wir haben heute eine breite Führungsebene mit Filial- und Teamleitungen, die eigenständig entscheiden. Natürlich weiß ich: Wer Verantwortung übernimmt und Dinge voranbringt, macht nicht alles richtig. Entscheidend ist aber, dass wir die Fehler nicht verstecken, sondern sie nutzen, um besser zu werden. Welche Rolle spielt Sinnstiftung in Ihrem Unternehmen? Eine sehr große. Als Apothekerin zu arbeiten ist unglaublich sinnstiftend. Wir erleben täglich, dass unsere Arbeit den Menschen hilft. Mein Anspruch ist, dass Patientinnen und Patienten die Apotheke verlassen und sagen: „Das war anders. Das war besonders.“ Beratung heißt für uns auch, von etwas abzuraten, wenn wir nicht überzeugt sind oder wenn es für die einzelne Person keinen echten Mehrwert hat. Heute arbeiten rund 200 Menschen in der MediosApotheke. Was ist aus Ihrer Sicht der Schlüssel dieses Wachstums? Sie sprechen häufig von Prävention – ein Thema, das auch Nina Ruge als zentralen Zukunftstrend be- schreibt. Menschen entwickeln zu dürfen. Schon früh haben wir Mitarbeitenden die Möglichkeit gegeben, sich in Themen zu vertiefen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen umzusetzen. Wachstum entsteht Absolut zu Recht. Wir haben in Deutschland kein Gesundheits- system, sondern ein Krankheits- system. Prävention wird erst relevant, wenn sie bezahlt wird, aktuell passiert das aber leider kaum. Dabei 32 nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen und Förderung. wissen wir so viel: über Ernährung, Nährstoffe, Bewegung, Hormone. Prävention oder Longevity bedeutet für mich nicht, einfach länger zu leben, sondern die gesunde Lebens- zeit, die Healthspan, zu verlängern. Was bieten Ihre Apotheken heute konkret im Bereich Prävention an? Ernährungsberatung, Nährstoffana- lysen, Biomessungen, DNA-Tests, Veranstaltungen zu Menopause, Frauengesundheit oder Herzgesund- heit. Wir arbeiten mit Wearables, klären auf, messen, begleiten. Fast alles davon ist Eigenleistung der Patientinnen und Patienten – wir in- vestieren bewusst in diese Angebote und empfehlen sie, weil wir von ihrem präventiven Mehrwert überzeugt sind. Wo sehen Sie die Apotheke der Zukunft – auch im Vergleich zu Arztpraxen? Die Apotheke ist niedrigschwellig, gut verteilt und für wirklich jeden erreich- bar. Mit dem zunehmenden Ärzte- mangel wird unsere Lotsenfunktion immer wichtiger. Kleine Diagnostik, Orientierung, Weiterleitung, denn all das können Apotheken leisten. Aber: nicht alles gleichzeitig. Spezialisie- rung wird entscheidend sein. Gibt es politische oder strukturelle Grenzen, an die Sie stoßen? Ganz klar bei der Vergütung. Prä- vention, Beratung, Diagnostik ... all das wird politisch gefordert, aber kaum refinanziert. Apotheken investieren Zeit, Personal und Know- how, ohne dass das System diese Leistungen abbildet. Das bremst Innovation total. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten Lust, mehr zu tun, trauen sich aber nicht, weil die wirtschaftliche Grundlage fehlt. Wenn wir Apotheken als Gesund- heitslotsen ernst nehmen wollen,